Kleiner Leitfaden

Auf die Plätze, fertig, Garten!

Von Alexandra Grossmann · 2017

Mit den ersten Sonnenstrahlen machen wir eine Bestandsaufnahme unseres Balkons oder unseres Gartens. Sträucher und Stauden müssen gepflegt, Beete mit neuer Erde befüllt und junge Pflanzen eingesetzt werden. Kübel kommen aus dem Gewächshaus, Grill und Rasenmäher werden inspiziert. Wer im Sommer Gemüse ernten möchte, beginnt jetzt mit dem Pflanzen. Ein kleiner Leitfaden zur Vorfreude auf den Sommer.

 Menschen bei der Gartenarbeit

Wenn der Frühling kommt, erweitern wir unseren Raum. Der Garten oder der Balkon werden wieder für Stunden und Tage der Mittelpunkt unseres Lebens, wo wir ein gutes Buch lesen, Rasen mähen, am Grill brutzeln oder Beete bepflanzen. Das Interesse am Gärtnern steigt in Deutschland ständig: Laut Statistik-Portal Statista gaben allein 2015 rund 17 Millionen Menschen an, ein besonderes Interesse an Gartenpflege und Gartengestaltung zu haben. Der Wunsch, sich draußen in der Natur aufzuhalten, die Umwelt zu gestalten und nachhaltig zu leben beweist auch der Trend zum Urban Gardening. Der Boom ist nicht zu übersehen, bundesweit gibt es nach Zählungen der Münchner Stiftungsgemeinschaft „Anstiftung“ inzwischen mehr als 550 solcher Initiativen, Tendenz steigend.

Die Idee ist nicht neu, gemeinsame Gärten und Äcker gibt es, seit Menschen siedeln. Schon im Mittelalter teilten sich Bauern die Ernte, im 19. Jahrhundert bildeten sich Klein- und Schrebergärten um die Städte. Doch die Idee der Gemeinsamkeit blieb dabei auf der Strecke, bis in die Siebzigerjahre, als in New York die Community Gardens entstanden als Ausdruck eines künstlerischen, politischen und sozialen Lebensmodells. Seitdem verbreiten sich kollektive Konzepte gemeinsamer Gartenprojekte überall auf der Welt. Stets geht es dabei um die Bereicherung urbanen Lebens, um Verschönerung der Städte und um die Bildung von Gemeinschaften mit anderen, gleichgesinnten Menschen.

Das A und O der Gartenpflege

Parallel wächst das Bedürfnis, auch den eigenen Garten oder Balkon nachhaltig und biologisch sinnvoll zu bewirtschaften. Zwar braucht es etwas Zeit und Geduld, doch ein Garten kann zu einem Biotop mit einem eigenen ökologischen Gleichgewicht werden. Dies gelingt durch den Verzicht auf chemische Schädlingsbekämpfung, auf Förderung von Nützlingen und durch naturgemäße Bodenpflege. 

Pflanzen benötigen zum Wachsen verschiedene Elemente. Sauerstoff, Wasserstoff und Kohlenstoff bekommen sie aus der Luft und dem Wasser. Andere essentielle Stoffe wie Phosphor, Magnesium oder Stickstoff sind manchmal nur in begrenzter Menge im Boden vorhanden und müssen zugefügt werden. Darum ist die Bodenpflege das A und O in Beeten und Kübeln. Ideal ist eine Mischung aus mäßigem Düngen, regelmäßigem Lockern und gleichmäßiger Feuchtigkeit. Mineralische Dünger, eine Mischung aus natürlichen und künstlichen Mineralien, empfehlen sich nicht. Sie wirken zwar schnell Dank löslicher Nährstoffe, doch sie geben Salze in die Erde ab, die lebenden Organismen im Boden auf Dauer schaden. Organischer Dünger hingegen hat langfristig eine positive Wirkung auf Erde und Pflanzen. Tiermist und Kompost aus Garten- und Küchenabfällen enthalten alle wichtigen Nährstoffe für Pflanzen. Sie speichern Feuchtigkeit, fördern die Mikroorganismen im Boden, sorgen für die richtige Konsistenz für Wurzeln und Halt und schützen vor starkem Regen.

Gewächshäuser für Ruhe und Schutz

Wer sich mit dem Gedanken trägt, Gemüse selbst zu ziehen, kommt früher oder später auf das Gewächshaus. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es schützt vor Wind und Regen, hält Sonnenstrahlen ab und bietet eine gleichmäßige Umgebungstemperatur. Wer einen großen Garten hat, kann in ein vollwertiges, stabiles Glas- oder Kunststoffhaus investieren, begehbar und ausgestattet mit großzügigen Flächen für allerlei Gemüse; im Winter finden hier die Kübelpflanzen Ruhe und Schutz. Für weniger Raum und den schmalen Geldbeutel gibt es zahlreiche Alternativen, vom Anlehngewächshaus, das an eine bestehende Wand gebaut wird, über Hochbeete mit einem Dach bis hin zu flexibel wandelbaren Folien-Gewächshäusern.

Wer weniger auf Arbeit aus ist und sich einen schönen, aber pflegeleichten Garten oder Balkon wünscht, kommt mit ein paar Tricks ebenfalls auf seine Kosten. Vor allem auf die Wahl der Pflanzen kommt es an. Mehrjährige Stauden zum Beispiel blühen immer wieder aufs Neue und brauchen meist nicht viel mehr als Wasser und einem Schnitt im Herbst. Ganz entgegen ihrer Reputation ist für einen pflegeleichten Balkon auch die Rose geeignet. Manche Sorten sind besonders robust, blühfreudig und wachsen kaum, so dass sie ganz von selbst gleichbleibend schön sind. Bodendecker wachsen dort, wo sonst nichts gedeihen möchte und brauchen keinerlei Pflege.

Auch beim Rasen gibt es Unterschiede. Hochwertiges Gras wächst langsam und dicht, so dass es seltener gemäht werden muss. Das Schneiden von Hecken hingegen ist ein Kraftakt – den kann vermeiden, wer sie durch eine begrünte Sichtschutzwand ersetzt. Hier eignen sich Klettergewächse wie Wein, Geißblatt oder Fetthenne. Wichtig ist, dass die Wurzeln auch über einen längeren Zeitraum hinweg Frost vertragen, damit sie den Winter überstehen.

Die richtige Balance finden

Grüne Wände werden auch im Haus immer beliebter. Vertikale Gärten sind schön anzusehen und sorgen für gute Luft im Raum. Es muss nicht gleich die ganze Wand sein, dekorativ sind schon Flächen von der Größe eines Bildes. Die Wandpflanzen absorbieren Staub oder schlechten Geruch und spenden Feuchtigkeit. Zu beachten ist hier die richtige Balance: Bleiben vertikale Gärten zu lange feucht oder gibt es zu wenig Durchlüftung, so kann sich an der Wand Schimmel bilden. Andererseits dürfen die Pflanzen nicht austrocknen. Damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt, bieten Profi-Systeme automatische Wasserversorgung an.

Voraussetzung für ein grünes Bild ist, dass die Pflanzen einen stabilen Halt finden, etwa mittels gestapelter, verankerter Töpfe oder vorher gefertigter Platten mit entsprechenden Ausbuchtungen. Geeignet für den Einsatz bei einem vertikalen Garten sind Pflanzen, die halbschattige Standorte bevorzugen. Farne mögen dies, wachsen aber schnell. Besser sind etwa Blumenmarante, Rutenkaktus oder Pfeilwurz. 

Bis zu 70 Prozent weniger Energie

Wo es allzu dunkel ist, kommen Pflanzenlampen zum Einsatz. Optimal sind LED-Leuchten, die genau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanze und ihren Standort abgestimmt sind. Leuchtdioden haben den Vorteil, dass sie verschiedene Lichtwellenlängen abgeben können. Je nach Pflanzenart und Wachstumsstadium unterscheiden sie sich. Zudem ist die Lichttemperatur zu bedenken. Blaues oder violettes Licht fördert das Wachstum, ist also für vertikale Gärten weniger geeignet, rotes oder orangenes Licht trägt zur Entwicklung von Blüten bei. Ein weiterer Vorteil von LED-Leuchten gegenüber den klassischen Hochdruckentladungslampen ist ihr geringer Energieverbrauch. Hier sind Einsparungen von bis zu 70 Prozent möglich. 

Immer weniger Energie brauchen heute auch die neuen Rasenmäher. Mittlerweile gibt es Akku-betriebene Geräte, die nur eine Stunde laden und eine Fläche von etwa 300 Quadratmetern mähen können. Wer sich darauf nicht verlassen möchte, kann ein Hybridmodell wählen, mit dem ein Umschalten auf Strom aus der Steckdose möglich ist, wenn der Akku leer gelaufen ist. Vielleicht eine lohnende Investition. Immerhin wäre ohne den Rasenmäher, der 1870 in England den Gärtner mit der schwingenden Sense abgelöst hat, ein gepflegter Garten heute nicht denkbar. Ebenso wie der Grill - eigentlich kein Gartenelement, aber doch sein fester Bestandteil. Was wäre die Gartensaison, wenn wir nicht grillen könnten. Die Deutschen bevorzugen nach wir vor den preisgünstigen und beweglichen Rundgrill, der Kugelgrill allerdings holt auf. Er sieht nicht nur gut aus, sondern bringt wegen seines Deckels und dem Auffangbecken für Fett die geschmacklich besseren Ergebnisse. Dafür gibt es mittlerweile sogar schon kostenlose Apps – sie sagen Ihnen, wie lange das Steak grillen muss und sogar, wenn es gar ist. Der Sommer kann also kommen.

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